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03.08.2018

Rückkehr: FCN hält Frankens Fußball-Flagge hoch

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Das Frankenland und der Profifußball: In den letzten Jahren war das oft genug eine Art Hassliebe. Diese könnte nun jedoch besseren Zeiten entgegenblicken, auch wenn es für Tagträume noch zu früh ist.




Rückkehr: FCN hält Frankens Fußball-Flagge hoch

©istock.com/cbies




Realistische Erwartungshaltung ist selbstverständlich


Relegation oder Direktaufstieg – diese Frage überschattete zum Ende der vergangenen Spielzeit das Nürnberger Leben. Glücklicherweise schaffte es der Club am Ende auf den zweiten Platz, während Holstein Kiel mit 56 Punkten in die Relegation musste. Dort wartete Wolfsburg, der Drittletzte der Bundesliga, und setzte sich in der Serie aus zwei Spielen durch. Allzu überraschend kam das nicht, schließlich wurde der VfL mit dem VW-Geld im Rücken dem Favoritenstatus gerecht, wie auch die Quoten der Online Casinos und Buchmacher unmissverständlich zeigten.



Das glücklichere Ende für den 1. FC Nürnberg war dagegen der Beginn einer neuen Chance. Zwar gehörte der fränkische Verein immer wieder zur Stammbesetzung der höchsten deutschen Spielklasse; von den Erfolgen der Vergangenheit konnte in der Neuzeit jedoch keine Rede mehr sein. Dass es heute kaum noch möglich ist, sich als Verein mit bescheidenen Mitteln in Europas Spitze festzusetzen, ist wohl bekannt. Realistische Ziele sind also gefragt und in Nürnberg steht nun zunächst die Mission Klassenerhalt an.



Fluch oder Segen? Auswärts-Auftakt vor toller Kulisse


Und los geht es direkt mit einem Auswärtsspiel in der Hauptstadt. Am 25. August feiert der FCN sein Bundesliga-Comeback ausgerechnet im Berliner Olympiastadion. Ein standesgemäßer Auftakt, sagen die einen. Skeptische Fans befürchten allerdings, dass die gewaltige Kulisse ein psychologischer Nachteil sein könnte. Hinzu kommt nämlich, dass die Hertha schwer einzuschätzen ist. Die letzten Jahre waren geprägt von starkem Aufwind, aber auch immer wieder von Ernüchterung. In jedem Fall haben die Herthaner unter Trainer Pál Dárdai eine klare Identität gefunden und werden selbst von großen Namen durchaus ernst genommen.



Rückkehr: FCN hält Frankens Fußball-Flagge hoch

©istock.com/anton5146



Mit Marvin Plattenhardt hat „die Alte Dame“ sogar einen WM-Fahrer in ihren Reihen. Das sollte allerdings nicht allzu hoch gehängt werden: Plattenhardt kam nur im ersten Gruppenspiel zum Einsatz, machte dort genau wie die restliche Mannschaft keine gute Figur und durfte kurze Zeit später mit dem deutschen WM-Tross zurück in die Heimat reisen.



Verglichen mit diesen gescheiterten Ambitionen, die den DFB in eine Krise stürzten, die bis heute medial andauert, präsentieren sich die Nürnberger deutlich bodenständiger. Ehrlichen Fußball möchte Trainer Michael Köllner spielen lassen, helfen sollen dabei unter anderem vier Supertransfers. Große Namen, wie sie früher einmal mit Andreas Köpke, Stefan Reuter oder Marek Mintál vorhanden waren, sucht man im Kader vergebens – und genau das soll nach vier Jahren in der 2. Liga für einen verschworenen Haufen sorgen, der spielerisch überlegenen Gegnern Kopfschmerzen bereitet. Obwohl die Finanzlage nicht mehr ganz so marode ist wie in den schlimmsten Jahren, bleibt der Spielraum sehr klein und bewährte Kräfte wie Kapitän Hanno Behrens sind weiterhin essenziell für eine Saison, die den Erwartungen entspricht.



Immerhin bleiben dem Aufsteiger die ganz großen Brocken zunächst erspart. Die Hoffnung, sich zunächst einigermaßen im Oberhaus akklimatisieren zu können, ist also nicht unrealistisch. Am zweiten Spieltag gibt es das erste Heimspiel der Saison, zu Besuch im Max-Morlock-Stadion ist der FSV Mainz 05. In der Woche danach geht es nach Bremen, wo Club-Legende Claudio Pizarro nun in besonderer Funktion zurückgekehrt ist und am vierten Spieltag empfängt der FCN Hannover 96.



Auch wenn es vermessen wäre, als Aufsteiger die maximale Punkteausbeute aus diesen vier Spielen einzuplanen, sollten zu diesem Zeitpunkt schon einige Zähler auf dem Konto stehen. Denn am fünften Spieltag wartet die erste echte Mammutaufgabe, und zwar beim Auswärtsspiel in der Signal-Iduna-Arena. Die Dortmunder sind mit Lucien Favre endlich wieder erstklassig auf der Trainerposition aufgestellt, Superstars wie Mario Götze scheinen ihre Form wiedergefunden zu haben, dazu kommt eine der extremsten Fan-Kulissen im europäischen Fußball. Der Ansporn, den Rivalen aus München wieder richtig Paroli zu bieten, ist ohnehin in der Dortmunder DNA verankert und da die Champions-League-Teilnahme gesichert ist, steht genug Geld für mögliche Top-Neuzugänge zur Verfügung.



Keine Frage: Das Duell mit dem BVB wird ein echter Belastungstest für die Nürnberger. Es ist dabei ein mentaler Vorteil, dass niemand mit einem Auswärtserfolg rechnet. Das wird in vielen Spielen dieser Saison der Fall sein und kann auch zum Vorteil werden: Als Außenseiter lebt es sich manchmal ganz bequem und hilft dabei, unbeschwert aufzuspielen.

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